KRANKENSTAND RATGEBER: MEHR GESUNDE MITARBEITENDE

Wie definiert sich Krankenstand?

Als Krankenstand wird eine betriebswirtschaftliche Kennzahl bezeichnet, welche die krankheitsbedingte Fehlzeit von Arbeitnehmer:innen angibt. Dabei wird die durch Krankheit verursachte Fehlzeit der Soll-Arbeitszeit gegenüber gestellt.

Der Krankenstand wird von Arbeitgebern, den gesetzlichen Krankenkassen und dem Bundesministerium für Gesundheit mit unterschiedlichen Methoden berechnet. Für Unternehmen ist insbesondere der Ausfall der Arbeitszeit relevant, weshalb das Verhältnis der Fehlzeiten zur Soll-Arbeitszeit berechnet wird.

Die gesetzlichen Krankenkassen ermitteln den Krankenstand auf Basis der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen der Ärzt:innen. Sie berechnen das Verhältnis der Arbeitsunfähigkeitstage zu der Gesamtzahl der Versicherungstage inklusive Sonn- und Feiertagen.

Das Bundesministerium für Gesundheit erhält regelmäßig am ersten jeden Monats die Krankenstände von den gesetzlichen Krankenkassen und berechnet daraus den Jahresdurchschnittswert.

Was ist ein normaler Krankenstand?

Innerhalb eines Jahres schwankt der Krankenstand verständlicherweise jahreszeitenbedingt. Aufgrund von Atemwegsinfektionen wie Erkältungen liegt er in der Wintermonaten höher als in den Sommermonaten.

Im Jahr 2021 lag er laut einer Auswertung des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen zwischen 3,93 im August und 5,55 im November.1 Die Angaben des Dachverbandes sind dabei genauer als die des Bundesministeriums für Gesundheit, da sie nicht stichtagsbezogen sind und auch Arbeitslose nicht in die Kalkulation einbezogen werden.Der Krankenstand ist aber nicht nur abhängig von der Jahreszeit, sondern auch von der Branche. Im Jahr 2020 lag der Krankenstand in der Branche „Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallversorgung“ mit durchschnittlich 24,7 Arbeitsunfähigkeitstagen am höchsten und mit durchschnittlich 9,4 Fehltagen im Bereich Information und Kommunikation am niedrigsten.2

Krankenstand verursacht hohe Kosten

Krankenstände bedeuten für Unternehmen jährlich relevante Verluste. Im Jahr 2019 kamen durchschnittlich 17,3 Fehltage auf jede:n Arbeitnehmer:in, was sich auf insgesamt 712,2 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage beläuft. Die Produktionsausfälle durch diese Fehlzeit liegen bei 149 Milliarden Euro.3Kosten entstehen allerdings nicht nur durch das bloße Fehlen von Arbeitnehmer:innen aufgrund von Krankheit. Die Felix Burda Stiftung führt dies genauer aus und geht auf die Folgen des Präsentismus ein: Gehen Angestellte trotz einer Erkrankung zur Arbeit, ist ihre Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Die Qualität ihrer Arbeit ist geringer, sie sind anfälliger für Fehler und Unfälle. Auch die Genesung verzögert sich, so dass es im schlimmsten Fall zu einer chronischen Erkrankung kommt. Ohne eine Vertretung, den Wegfall von Wissen und die Ansteckung von Kolleg:innen zu berücksichtigen, liegen die verursachten Krankheitskosten bei etwa 2.399€ pro Kopf und Jahr und sind damit doppelt so hoch wie der Betrag, der sich durch tatsächliche Fehlzeiten ergibt. Der volkswirtschaftliche Schaden durch sowohl Präsentismus als auch Absentismus belief sich 2009 durch den Wertschöpfungsausfall auf 225 Milliarden Euro, was 9% des damaligen Bruttoinlandproduktes entsprach. 4

Neben den unmittelbaren Kosten durch die gesunkene Produktivität treten aber auch weitere Folgen zu Tage. So müssen gesunde Mitarbeitende einspringen und Aufgaben erfüllen, die ihre kranken Kollegen nicht mehr leisten können. Wurde eine Vertretung organisiert, muss diese erst eingearbeitet werden. All dies erhöht den Druck, was sich negativ auf die Stimmung im Unternehmen auswirkt. Wird an dieser Stelle nicht unternehmensseitig eingegriffen, schlägt sich dies bald auf das Image und das Betriebsklima des Unternehmens nieder.

Woher kommt ein hoher Krankenstand?

Die negativen Folgen des Krankenstandes haben diesen zum Gegenstand einer Vielzahl von Studien gemacht. Denn nur, wenn die Risikofaktoren für gesundheitliche Probleme bekannt sind, können Unternehmen erfolgreich Maßnahmen ergreifen, um die Gesundheit der Mitarbeitenden zu erhalten.

In einer Studie von 2008 wurden zehn modifizierbare Faktoren in einem Zeitraum von sechs Jahren beobachtet, um ihren Einfluss auf die Mitarbeitergesundheit zu bewerten. Diese Risikofaktoren waren Übergewicht, ein hoher Cholesterinwert, hoher Blutdruck, Stress, Depression, Rauchen, Ernährung, exzessiver Alkoholkonsum, physische Fitness und Sport sowie ein hoher Blutzuckerwert. Die genannten Faktoren machten 25% der Kosten der Gesundheitsvorsorge aus. Angestellte mit sieben dieser Risikofaktoren kosten ihre Arbeitgeber 228% mehr im Vergleich zu den Arbeitnehmer:innen, die keinen dieser Risikofaktoren haben.5

Diese Studie zeigt ebenfalls auf, dass Maßnahmen am Arbeitsplatz wirksame Mittel sind, um gesunde Verhaltensweisen zu etablieren und langfristig beizubehalten. Wird das Image eines „gesunden Unternehmens“ gelebt, wirkt sich dies positiv auf die Gesundheit der Angestellten aus. Fehlt dieser Faktor im Unternehmen, treten ungesunde Verhaltensweisen folglich häufiger auf.

Wie kann ein hoher Krankenstand gesenkt werden?

Um die gesundheitsbedingte Fehlzeiten zu reduzieren, bieten sich verschiedene Maßnahmen an. Sie ergänzen sich, so dass abhängig von der jeweiligen Ausgangslage mehrere Wege gewählt werden können.

Stress im Beruf ist eine der Hauptursachen für Arbeitsunfähigkeit. Werden nicht rechtzeitig Schritte eingeleitet, um den Stress zu reduzieren, kann dies bis zum Burnout bei den Betroffenen führen. Die Unternehmen sind hier gefragt, Maßnahmen zur Stressreduzierung umzusetzen und z. B. sicherzustellen, dass die Mitarbeitenden nach Feierabend keine beruflichen E-Mails und Anrufe mehr erhalten, um entspannen zu können.

Fazit

Für Unternehmen ist es in mehrfacher Hinsicht wichtig, in die Gesundheit der Mitarbeitenden zu investieren. Durch krankheitsbedingte Fehlzeiten und den Präsentismus entstehen hohe Kosten bei gleichzeitigen Einbußen in der Produktivität.

Um gesundheitlichen Problemen entgegen zu wirken, bietet sich eine Reihe sich ergänzender Maßnahmen an. In mehreren Studien wurde der Erfolg solcher Maßnahmen nachgewiesen, sowohl für die Gesundheit der Mitarbeitenden als auch finanzielle Einsparungen für die Unternehmen. Neben diesen beiden Vorteilen führt die aktive Gesundheitsförderung auch zur Mitarbeitendenbindung und verringert die Fluktuation der Angestellten.

Eine weitere Studie aus 2005 ergab, dass entsprechende Maßnahmen zur Förderung der Mitarbeitendengesundheit die gesundheitsbedingten Fehlzeiten und die dadurch entstehenden Kosten um 25% bis 30% reduzieren.8

Quellen:

  1. BKK Dachverband e.V.: Monatlicher Krankenstand, URL: https://www.bkk-dachverband.de/gesundheit/statistiken/monatlicher-krankenstandAbruf am 18.01.2022 ↩︎
  2. Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.: Der Krankenstand in Deutschland, URL: https://www.iwd.de/artikel/krankenstand-in-deutschland-498654/#branchenueberblick Abruf am 18.01.2022
  3. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit 2019, Dortmund 2019, S. 1, abrufbar unter https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitswelt-und-Arbeitsschutz-im-Wandel/Arbeitsweltberichterstattung/Kosten-der-AU/pdf/Kosten-2019.pdf?__blob=publicationFile&v=3 ↩︎
  4. Maar, Christa et al.: Vorteil Vorsorge. Die Rolle der betrieblichen Gesundheits- vorsorge für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland, Düsseldorf: booz&co 2011, S. 7f, abrufbar unter https://www.felix-burda-stiftung.de/sites/default/files/documents/Studie_FBS_Booz_Vorteil_Vorsorge_2011.pdf 
  5. Goetzel, Ron & Ozminkowski, Ronald: The Health and Cost Benefits of Work Site Health-Promotion Programs, in Annual Review of Public Health 29 (2008), S. 303 – 323 ↩︎
  6. Aldana, Steven: Financial Impact of Health Promotion Programs: A Comprehensive Review of the Literature, in American Journal of Health Promotion 5 (2001), S. 296 – 320 ↩︎
  7. Osilla, Karen et al.: Systematic review of the impact of worksite wellness programs, in The American Journal of Managed Care 2 (2012), S. 68 – 81 ↩︎
  8. Chapman, L: Meta-evaluation of worksite health promotion economic return studies: 2005 update, in in American Journal of Health Promotion 6 (2005), S. 1 – 11 ↩︎