12 Maßnahmen, um Fehlzeiten zu reduzieren

Wenig Stress und viel Gesundheitsmanagement, Rückhalt durch das Unternehmen, Lob und freiwillige Sozialleistungen sind die Kernindikatoren für eine positiv erlebte Unternehmenskultur. Die Unternehmenskultur steht dabei in unmittelbarem Zusammenhang zur Mitarbeitendengesundheit – so das wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) in einem Kommentar zum erstellten Fehlzeitenreport.1

Durch Ihre eigene Fehlzeitenanalyse finden Sie schnell heraus, ob es in Ihrem Unternehmen strukturelle Probleme gibt oder ob einzelne Mitarbeitende besonders anfällig für Fehlzeiten sind. Reagieren Sie entsprechend mit individuellen oder betriebsweiten Maßnahmen.

Wir nennen Ihnen 12 Maßnahmen, die den Krankenstand senken und die Unternehmenskultur stärken.

1. Verstehen Sie Ihr Team

Gehen Sie den Ursachen der Entstehung der Fehlzeiten ihrer Mitarbeitenden auf den Grund. Mit den richtigen Fragen können Sie sich einen Eindruck von der individuellen Belastungssituation, dem empfundenen Stress oder den Gründen für die Unzufriedenheit eines Mitarbeitenden verschaffen. Bauen Sie durch regelmäßige Gespräche gegenseitiges Vertrauen auf.

2. Zeigen Sie Ihren Mitarbeitenden gegenüber größtmögliche Flexibilität

Flexibilität ist einer der wichtigsten Faktoren für die Mitarbeiterzufriedenheit.2

Prüfen Sie alle Möglichkeiten und kommen Sie Ihren Mitarbeitenden durch flexible Arbeitszeitmodelle so weit wie möglich entgegen. Vielleicht können Sie Ihren Mitarbeitenden auch Arbeit vom Homeoffice anbieten?

3. Keine geschäftlichen E-Mails oder Anrufe nach den Bürozeiten

Weisen Sie Ihre Mitarbeitenden darauf hin, dass sie ihre Freizeit für ihr privates Vergnügen und zur Erholung und zum Ausgleich nutzen sollen. Ständige Erreichbarkeit sollte nicht dazu führen, dass Mitarbeitende nicht mehr abschalten können und letztlich ausgebrannt zur Arbeit erscheinen.

4. Reduzieren Sie Stress

Prüfen Sie die Auslastung und Arbeitsbelastung Ihrer Mitarbeitenden. Übermäßig viel Stress führt dazu, dass Mitarbeitende im Zweifel den Weg zur Arbeit meiden und sich lieber krank melden. Reduzieren die Menge der Aufgaben, geben Sie ausreichend Zeit zu deren Bearbeitung und verteilen Sie Arbeit auf alle Mitarbeitenden je nach deren Kapazitäten.

5. Unterstützen Sie Mitarbeitende, die Angehörige pflegen

Die Betreuung älterer Familienmitglieder ist eine enorme körperliche und psychische Herausforderung, die neben dem Einsatz am Arbeitsplatz zusätzlich erbracht werden muss. Sie können Arbeitnehmern, die berufsbedingt und vorübergehend eine Betreuung für eine:n pflegebedürftige:n Angehörige:n benötigen, einen Zuschuss von bis zu 600 Euro im Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei zukommen lassen.

6. Belohnen Sie Gesundsein

Belohnen Sie Mitarbeitende, die einen niedrigen Krankenstand haben, in Form von Geschenkgutscheinen, zusätzlichen Pausen und gesundheitsbezogenen Sachzuwendungen wie beispielsweise Zuschüssen zur Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio.

7. Vermeiden Sie Präsentismus

Ermutigen Sie Mitarbeitende, bei Unwohlsein lieber zuhause zu bleiben als beispielsweise eine Grippe, die sich im Anflug befindet, ins Büro einzuschleppen. Mitarbeitende, die nur körperlich am Arbeitsplatz anwesend sind und praktisch keine Leistung abrufen können, sind unproduktiv. Sie werden im schlimmsten Fall nur weitere Mitarbeitende anstecken und so die Zahl der Fehltage im Team insgesamt erhöhen.

8. Führen Sie Gespräche und Rückkehrgespräche

Ein Mitarbeitender, mit dem Sie ein Rückkehrgespräch führen, bemerkt, dass Sie sein Fehlen wahrgenommen haben, und erkennt Ihr Interesse an seiner/ihrer persönlichen Situation. Machen Sie den genesenen Mitarbeitenden deutlich, dass Sie froh sind, dass sie wieder ihren Beitrag leisten werden. So sorgen Sie für einen neuen Motivationsschub. Vermeiden Sie aber unbedingt, dass ein Fehlzeitengespräch der einzige längere Kontakt ist, den Sie als Führungskraft mit dem Mitarbeitenden haben!

9. Notfalls strenger reglementieren

Sie haben den Eindruck, dass Mitarbeitende viel zu oft nur einen Tag fehlen, um am Ende kein Attest vorlegen zu müssen, das Sie erst ab dem 3. Krankheitstag einfordern? Dann sollten Sie prüfen, ob es angemessen wäre, die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Tag der Erkrankung einzufordern.

10. Machen Sie Gesundheit zum Thema

Denken Sie darüber nach, wie Sie Mitarbeitende zu gesundheitsbewussterem Verhalten animieren könnten. Versenden Sie beispielsweise einen wöchentlichen Newsletter, in dem Sie kleine und einfache Entspannungsübungen am Arbeitsplatz vorstellen und zu mehr körperlicher Bewegung anspornen. Vielleicht gründen Sie auch eine Betriebssportgruppe, oder fragen nach, wer sich an einem Firmenlauf beteiligen möchte.

11. Bieten Sie Präventionsprogramme für die psychische Gesundheit an

Laden Sie einen Coach ein, der Ihr Team auf Herzen und Nieren prüft und ihm hilft, sich besser zu verstehen. Lassen Sie Ihre Mitarbeitenden herausfinden, wie sie am besten miteinander arbeiten und welche Rollen jeder im Zusammenspiel gerne übernimmt. Geben Sie Ihren Mitarbeitenden so Werkzeuge an die Hand, mögliche Konflikte frühzeitig zu erkennen und untereinander zu lösen, noch bevor sie für alle zur Belastungsprobe werden.

Bei einem Antistress-Training oder einem Yoga-Workshop können Ihre Mitarbeitenden lernen, wie sie bewusst abschalten können, um schnell und effektiv wieder Kraft zu tanken.

12. Legen Sie Gesundheitsprogramme auf

Sportlich aktive Mitarbeitende fehlen im Durchschnitt seltener am Arbeitsplatz. In einer Metaanalyse beschreibt S. G. Aldana, dass die Zahl der Fehltage von Arbeitnehmern, die an einem Gesundheitsprogramm teilnehmen durchschnittlich um 12-36 % niedriger ist. Die mit Fehlzeiten einhergehenden Kosten reduzieren sich damit um 34 %.3

Auch D. Heckhausen rät in ihrer Studie „Einflussfaktoren auf Fehlzeiten und Maßnahmen dagegen“, gesundheitsfördernde Programme für Mitarbeitende und kollektive Maßnahmen wie Gesundheitszirkel oder Teamentwicklungsmaßnahmen aufzulegen. Denn erkennen Mitarbeitende die Bereitschaft der Unternehmensführung, Personal, Zeit und Geld in Maßnahmen zur Senkung des Krankenstands zu investieren und sich für den Abbau betrieblicher Belastungen zu engagieren, wächst auch das Vertrauen in die Unternehmenskultur.4


Quellen:

  1. siehe Kommentar von Helmut Schröder, Stellvertretender Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) und Mitherausgeber des Fehlzeiten-Reports unter https://www.aok-business.de/niedersachsen/gesundheit/bgf-in-ihrer-organisation/gesunde-unternehmenskultur/studie-zur-unternehmenskultur/ ↩︎
  2. Schwabel, Dan: Why Workplace Flexibility Is The Linchpin To Employee Happiness, in: Forbes Online, 29.06.2015, URL: https://www.forbes.com/sites/danschawbel/2015/06/29/why-workplace-flexibility-is-the-linchpin-to-employee-happiness/#57abfa4d6003, Abruf am 10.12.2018↩︎
  3. Aldana, Steven: Financial Impact of Health Promotion Programs: A Comprehensive Review of the Literature, in American Journal of Health Promotion 5 (2001), S. 296 – 320↩︎
  4. Heckhausen, Dorothee: Einflussfaktoren auf Fehlzeiten und Maßnahmen dagegen, in Organisationsberatung – Supervision – Clinical Management 2 (2000), S. 109-120↩︎